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Der Drache


[griech. drakon "der scharf Blickende"] Der Drache ist ein Fabelwesen und in den Überlieferungen vieler Völker meist als geflügelte Echse dargestellt. In Schöpfungsmythen tritt der Drache als Widersacher der Schöpfungsmächte auf. In der germanischen Sage heißt der Drache Lindwurm und gilt als Bewohner von Wasserlöchern und Erreger von Unwettern. Auch in Ostasien ist der Drachen ein dem Wasser verbundenes Wesen und gilt dort als glücksbringend. In der europäischen Mythologie hatte der Drache stets ein hartes Dasein: von ehrgeizigen, jungen Helden aufgespießt und von Drachentötern, die sich einen Heiligenschein oder Ruhm und Ehre erringen wollten, gehetzt und gejagt. Er galt als böse, verschlagen und im Christentum als Ausgeburt der Hölle und Personifizierung des Teufels. Ganz anders seine Stellung in der fernöstlichen Mythologie.

Für die Chinesen ist der Drache eine Geschöpf der höheren Sphären, zu denen er hinauffliegt. Er hat dämonische, also halbgöttliche Kräfte, die er nicht nur als Wächter, sondern auch zum Nutzen und Segen der Erdbewohner einsetzt. Er lässt Regen auf die Felder fallen und die Winde günstig wehen und verkörpert einen Teil des befruchtenden Prinzips der Natur. In der ältesten chinesischen Mythologie ist der Drache die Personifizierung des Yang, des männlichen Prinzips (wogegen Ying für das weibliche steht.). Folglich verkörpert der Drache in China die edelsten "männlichen Tugenden" Majestät, Kraft, Mut, Licht, Bewegung und Befruchtung. Die chinesischen Überlieferungen spricht beim Drachen von neun Ähnlichkeiten zu Tieren - das heißt, er besteht eigentlich aus neun Tieren. Seine Hörner gleichen dem Geweih eines Hirsches, der Kopf dem eines Pferdes, die Augen denen eines Dämons, die Ohren denen des Ochsen, der Hals gleicht dem Körper einer Schlange, der Unterleib einer großen Muschel, seine Schuppen ähneln denen des Karpfens, die Klauen denen des Adlers und seine Fußsohlen denen des Tigers. Er ist sozusagen ein Halbgott aus neun Tieren, der das gesamte Erbe des noch weitaus älteren chinesischen Tiertotems mitbekam. Auf Abbildungen wird der Drache üblicherweise mit vier Klauen an jedem Fuß dargestellt, nur der kaiserliche Drachen besitzt fünf Klauen.

Antike chinesische Darstellungen zeigen den Drachen oft im Spiel mit einer Perle oder einem Ball, oder der Drache trägt die Perle auf der Stirn oder um den Hals. Diese Drachenperle symbolisiert die Sonne und deutet das Wesen des Drachen als Teil der lichten Kraft. Sein Rang stand so hoch, dass alte chinesische Kaiserdynastien ihren Stammbaum auf einen Drachen zurückführten und noch heute ist er das Symbol des chinesischen Kaisers. Wichtigste Funktion des Drachen ist aber auch in der fernöstlichen Mythologie das Bewachen von Schätzen und Horten, die den Göttern gehören und an denen sich kein Sterblicher vergreifen darf. Hier gibt es als Parallele die mittelalterliche Nibelungensage und die weitaus ältere, frühantike Argonautensage. Die älteste Mythologie des Abendlandes hat von der Primärfunktion des Drachen in etwa die gleich Vorstellung wie die ältere fernöstliche : er ist der halbgöttliche Wächter göttlicher Horte.

Obwohl meist mit Flügeln dargestellt und damit dem luftigen Element verbunden, werden Drachen auch dem Wasser zugeordnet. Darüber rangieren die kaiserlichen und ganz oben die himmlischen Drachen. Die irdischen Drachen beherrschen das Wasser und bestimmen den Lauf der Flüsse und Ströme. Der Drache gilt im chinesischen Mythos auch als Schutzgott und Beherrscher der Meere. Die Mythologie erzählt von fünf Seedrachen-Königen, die in prunkvollen Palästen auf dem Meeresgrund hausen und ausschließlich Perlen und Opale speisen. Der oberste von ihnen thront in der Mitte, die anderen sitzen sternförmig um ihn herum und zwar genau nach den vier Himmelrichtungen ausgerichtet. Auch in der chinesischen Astrologie spielt der Drache eine große Rolle und in westlichen Ländern kann man sich kaum vorstellen, wie sehr ihr 3000 Jahre alter Tierkreis die Chinesen noch immer beschäftigt. Und auch die Heilkunde im alten China lässt ihn nicht außer Acht - es heißt, pulverisierte Drachenzähne und Knochen besäßen segensreiche Heilkräfte. Noch heute wird traditionsgemäß beim chinesischen Neujahrsfest ein Drachenzug abgehalten. Dabei werden Drachen aus Stoff oder Papier an langen Stangen durch die Stadt getragen. Die Männer mit den Stangen tanzen, so dass sich der Drachen durch die Straßen schlängelt. Das soll im neuen Jahr Glück und Erfolg bringen.